
POLLUX 4092M
Mit der ersten Gondel von Zermatt aufs Klein Matterhorn starteten wir völlig alleine in die Besteigung des Pollux (4090 m). Trotz viel Neuschnee wagten wir uns an die Kombination aus Gletschertour und alpiner Kletterei. Die 12 km und 750 HM führten uns durch frischen Pulverschnee, über einen eindrucksvollen Couloir-Aufstieg und schließlich durch verschneite, zugefrorene Kletterpassagen, in denen selbst die Ketten vereist waren. Mit kompletter Gletscher- und alpiner Kletterausrüstung wurde es eine fordernde, aber unglaublich schöne Tour – einsam, intensiv und voller alpiner Momente.
Fazit
Der Pollux zeigt eindrucksvoll, wie fordernd und zugleich faszinierend die Mischung aus Gletschertour und alpiner Kletterei ist. Frischer Schnee, vereiste Ketten und steile Passagen verlangen volle Aufmerksamkeit sowie Respekt vor den Bedingungen. Sicherheit und gutes Material sind hier Pflicht.
Gleichzeitig erinnert einen die Stille am Berg daran, wie besonders jeder Moment dort oben ist – als Gast in einer mächtigen Natur, die Achtsamkeit, Rücksicht und Dankbarkeit verdient.
Hochtour auf den Pollux – Der kleine Bruder des Castor
Mit der ersten Gondel von Zermatt hinauf aufs Klein Matterhorn beginnt der Tag noch still, fast feierlich – und genau so fühlte sich unser Start an. Kaum standen wir draußen, war klar: Es hatte kräftig geschneit. Der Gletscher lag tief verschneit vor uns, die Spuren der letzten Tage waren vom Neuschnee zugedeckt, und rundherum war einfach niemand unterwegs.
Wir schnallten unsere komplette Gletscherausrüstung an, checkten das Material und machten uns auf den Weg. Es war dieses besondere Gefühl, wenn man weiß, dass man eine große Tour praktisch allein beginnt – nur wir, der Schnee und die Stille der Höhe. Die ersten Kilometer führten angenehm über den Gletscher, sanfte Wellen, weicher Schnee, ein perfekter Einstieg für das, was noch kommen sollte.

Der Couloir-Aufstieg – eine Sensation im Neuschnee
Je näher wir dem Pollux kamen, desto beeindruckender wurde der Aufstieg. Der Couloir stand wie ein Tor vor uns, steil, verschneit und unglaublich schön. Der frische Schnee machte es fordernd, aber auch lohnend – jeder Schritt war tief, klar und kraftvoll. Der Aufstieg fühlte sich an wie eine Mischung aus Winterbergsteigen und meditativer Konzentration.
Oben am Ende des Couloirs begann dann der Übergang zum alpinen Teil der Tour: eine Kombination aus Fels, Schnee und Eis. Und da wurde es richtig spannend. Die Kletterei war eigentlich gut machbar – wenn nicht alles komplett eingeschneit und zugefroren gewesen wäre. Die Ketten, die normalerweise als solide Unterstützung dienen, waren versteckt unter einer dicken Eiskruste. Jeder Griff musste freigekratzt, jeder Tritt bewusst gesetzt werden. Genau diese Mischung macht den Pollux so einzigartig: halb Gletschertour, halb alpines Abenteuer.

Gipfel, Gratmomente & die Ruhe des Abstiegs
Nach den vereisten Passagen erreichten wir schließlich den Grat – schmal, eindrucksvoll, mit einem Blick, der sofort alle Anstrengung vergessen lässt. Und dann, ein paar Schritte später, standen wir auf dem Gipfel des Pollux: 4090 Meter, absolute Ruhe, ein Panorama zum Staunen.
Kein einziger Mensch, keine Spur außer unserer eigenen – nur diese Höhe, der frische Schnee und das Gefühl, etwas ganz Eigenes erlebt zu haben. Der Abstieg verlangte erneut volle Konzentration, besonders im vereisten Fels, doch die Stimmung blieb ruhig und kraftvoll. Zurück auf dem Gletscher wurde das Gelände wieder entspannter, und wir wanderten durch den weich verschneiten Firn Richtung Station – mit dem Wissen, dass wir eine richtig alpine, selten stille Tour erlebt hatten.
